Der Plot von "Porzellanvögel"
I Einleitung
Andreas (der Ich-Erzähler), Jonathan und eine dritte Person („Er“): Treffen in Hamm, ein halbes Jahr nach der Handlung des Romans, ein rauer Wintertag. „Er“ ist ein nicht zuzuordnendes Individuum. Sie sitzen in einer Bäckerei. „Er“ als gebrochene Person, an dessen biographischem Tunnel Andreas ein Licht erblickt. Die Drei reflektieren über das Vergangene. Die Beziehung zwischen Jonathan und Andreas wird umrissen, ihre Freundschaft im Zeitraffer von der Kindheit bis ins heute beschrieben. Die Synonyme des gelungenen, abgesicherten Lebens: eine robuste Bäckerin und eine jüngere Frau mit Kindern.
II Montag – das Aquarium, der Luftwurm & das Krebsgeschwür
Der Anfang der Woche, an deren Ende die Hamm-Fahrt steht. Andreas und Jonathan wandern durch eine Ein-Familienhaus-Siedlung – sie konfrontieren sich gegenseitig mit ihren Welttheorien. Die grundsätzlichen Positionen der Protagonisten stehen im Fokus. Das Gespräch schwankt zwischen Nachdenklichkeit, Zukunftsangst und absurdem Humor. Schließlich entwerfen sich beide in die Zukunft. Jonathan erzählt von seinem innigen Wunsch, eine Reise nach Hamm zu unternehmen, um dort seiner Projektion des gelingenden Musikerlebens vorzugreifen. Am Ende des Kapitels: ein Schlüsselerlebnis aus dem Leben des ominösen „Er“.
III Dienstag – Ströme & Erinnerungen
Andreas und Jonathan in einer Bushaltestelle. Die Umgebung ist trist, Gorkis „Nachtasyl“ klingt an. Andreas erzählt seinem Freund von den Ängsten, die er mit dem „Netz“, der unheimlichen Welt der Ströme, verbindet. Eine Frau in Camouflageklamotten schleicht vorbei. Porzellanfiguren in den Fenstern hinter der Haltestelle beobachten die Szenerie. Andreas kritisiert die Entfremdung seiner Mitmenschen zueinander, die Protagonisten reden von Timm (der ein ehemaliger Mitschüler Jonathans ist und das beste Abitur vorweisen konnte), ihrem heimlichen Idol, dem es scheinbar gelingt, die Probleme der Twenty-Somethings zu meistern. Der labile „Er“ zerbricht am Imperativ der medialen Selbstinszenierung. Seine Fotos im ichzentrum: nichts als eine schillernde Fassade, hinter welcher der Putz bröckelt?
IV Mittwoch - Grenzwertdiskussionen
Andreas erzählt vom Mädchen vom Volleyball, seiner heimlichen Liebe. Das Mädchen als zweifelnde, jedoch zärtliche Person, die ihre ganz eigenen Baustellen zu bewältigen hat. Eine Verbündete im Kampf gegen das haltlose Patchwork-Leben? Andreas und Jonathan in dessen Zimmer. Letzterer versucht Ersteren, zum Rauchen zu überreden und schwärmt vom exzessiven Leben. Andreas – ganz der protestantische Asket – lehnt dankend ab. Ein humorvolles Gespräch. Bis es wieder um Timm – den Lebenslauf-Künstler - geht: der Bildungsaristokrat und dessen Musterbiographie. Jonathans Hauptkonflikt kristallisiert sich heraus: ich oder der Arbeitsmarkt – der innere Kampf des anarchischen Künstlers gegen den greisen Schlagzeuglehrer. Gegen Ende: „Er“ fühlt sich von einem inneren Monster verfolgt – die hässliche Kehrseite des weltlichen Erfolgs?
V Donnerstag – Strategien gegen die Gegenwart
Andreas und Jonathan am Küchentisch. Jonathan kann die Hamm-Fahrt kaum abwarten. Ein abgedrehtes Gespräch über gedankliche Fluchten vor einer als unsicher empfundenen Gegenwart. Jonathan beichtet seinen Supermarkt-Tick („dort fühle ich mich, wie zurück in Mutters Schoß“) und seinen Industrie-Fetisch („Türme aus rotem Backstein, die weit in den grauen Himmel reichen – da werde ich schon mal schwach“). Die beiden erdenken den „Germanisten“, die zweifelnde Inkarnation der Generation Praktikum. „Er“ schleppt sich zu einer Prostituierten – seine ganz persönliche Strategie gegen die Gegenwart.
VI Freitag – Lifestyle & Trieb
Andreas erinnert sich an ein exemplarisches Treffen mit dem Mädchen vom Volleyball. Ihre milde Religiosität. Jonathan kann sich nicht von den Pornoseiten lösen und erzählt seinem Freund eine seiner Bierfantasien vom großen Ruhm. Konflikt zwischen den Kumpeln: Apathie, Hedonismus oder Engagement – wie sieht die perfekte Generation aus? Andreas will Veränderung, Jonathan den Genuss. Der „Germanist“ hört auf, zu den falschen Göttern zu beten und verlässt die Platonsche Höhle. In kursiver Schrift: „Er“ träumt von seiner Erlösung, dem Ende des lechzenden Monsters.
VII Samstag – Die schaffende Maschine
Andreas mit dem Mädchen vom Volleyball im Café. Später mit Jonathan in Lage/Lippe. Industrieromantik, Gretchenfrage und Calvinismus. Der „Germanist“ malocht in der Keksfabrik. Jonathan sagt: „Morgen geht’s nach Hamm“ und erzählt eine weitere Bierfantasie. „Er“ als Schüler, der die sozial Schwachen instrumentalisiert. Und die Lehrerin klatscht Beifall.
VIII Sonntag – Die Zugfahrt
Jonathan und Andreas auf dem Weg nach Hamm. Andreas’ einsamer Kampf gegen die nihilistischen Auswüchse der Postmoderne: nieder mit Unfallgaffern und menschenverachtenden Internetvideos („die blutigen Ströme“)! Seine Zweifel daran, jemals eine Partnerin zu finden, werden lauter. Er erzählt seinen Traum vom Ankommen („die Wiese vor Dortmund“). Jonathans Handy klingelt: seine Cousine wurde eingeliefert. Der Weg nach Hamm führt über die Nervenheilanstalt „Leonard de Noblat“. Der „Germanist“ und wie er zu Zugfahrten steht. Deutschland im Jahre 2009. „Er“ lernt das Spazierengehen, doch am Waldrand quält ihn der Wahnsinn.
IX Hammtag – Porzellanvögel
Ein unschuldiger Sommernachmittag. Ein überraschendes Treffen. Ein seichter Dialog wird zu einem schonungslosen Trialog. Der alte Mann im Rollstuhl. Der gefallene Engel und seine zerbrochenen Flügel. Die Metapher am Ende als der trotzige Anfang.
Copyright © www.Porzellanvoegel.de 2009
» >>PDF<< PR Paket